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Epilepsie bei Hunden

Geschrieben von Mara | Dierenarts |

Epilepsie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei Hunden. Ein epileptischer Anfall kann für Halter sehr erschreckend sein: Ein Hund kann plötzlich umfallen, Zuckungen bekommen oder sich auffällig verhalten. In diesem Blog erklären wir, was Epilepsie genau ist, welche Formen es gibt, wie ein Anfall verläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen.

Australian Shepherd auf der Heide mit Ball im Maul

Was ist Epilepsie?

Epilepsie ist eine Erkrankung, bei der plötzlich unkontrollierte elektrische Aktivität im Gehirn entsteht. Diese Fehlregulation kann zu verschiedenen Arten von Anfällen führen, von kurzen Bewusstseinsveränderungen bis hin zu heftigen Muskelkrämpfen und Zuckungen.

Ein epileptischer Anfall entsteht dadurch, dass Gruppen von Nervenzellen im Gehirn vorübergehend überaktiv werden und unkontrolliert Signale abgeben.

Australian Shepherd auf der Heide mit Ball im Maul

Verschiedene Formen der Epilepsie

Bei Hunden unterscheiden wir drei Hauptformen der Epilepsie.

Primäre Epilepsie (idiopathische Epilepsie)

Dies ist die häufigste Form bei Hunden. Dabei wird keine eindeutige Ursache gefunden. Man geht von einer erblichen oder genetischen Veranlagung aus.

Diese Form beginnt meist bei jungen Hunden im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren.

Sekundäre Epilepsie

Bei sekundärer Epilepsie wird der Anfall durch eine nachweisbare Erkrankung im Gehirn verursacht, zum Beispiel:

  • Hirntumoren
  • Gehirnentzündungen
  • Hirnverletzungen oder Traumata
  • angeborene Fehlbildungen des Gehirns

In diesen Fällen richtet sich die Behandlung vor allem auf die zugrunde liegende Ursache.

Reaktive Epilepsie

Bei reaktiver Epilepsie reagieren die Gehirnzellen auf ein Problem außerhalb des Gehirns, wie zum Beispiel:

  • Vergiftung
  • Leberprobleme
  • schwere Störungen des Blutzuckerspiegels
  • Elektrolytstörungen

Wenn die Ursache behandelt wird, verschwinden die Anfälle oft.

Verschiedene Arten epileptischer Anfälle

Nicht jeder Anfall sieht gleich aus. Es werden verschiedene Anfallstypen unterschieden.

Generalisierte Anfälle

Dies sind die klassischen epileptischen Anfälle, bei denen das gesamte Gehirn beteiligt ist.

Symptome können sein:

  • Umfallen
  • Versteifen
  • Zuckungen der Beine
  • Speicheln
  • Urin oder Kot verlieren
  • Bewusstseinsverlust

Fokale (partielle) Anfälle

Dabei ist nur ein Teil des Gehirns betroffen. Die Symptome sind oft subtiler, zum Beispiel:

  • Zittern eines Beins oder einer Muskelgruppe
  • auffällige Augenbewegungen
  • seltsames Verhalten
  • in die Luft schnappen
  • plötzlich ängstliches oder unruhiges Verhalten

Atypische Anfälle

Einige Anfälle passen nicht eindeutig in die oben genannten Kategorien. Hunde können dann zum Beispiel:

  • plötzlich erstarren
  • ohne Zuckungen umfallen
  • vorübergehend desorientiert sein

Wie verläuft ein epileptischer Anfall?

Ein epileptischer Anfall besteht in der Regel aus drei Phasen.

Aura (Vorphase)

Manche Hunde zeigen bereits vor einem Anfall auffälliges Verhalten, wie:

  • Unruhe
  • Aufmerksamkeit suchen
  • sich verstecken
  • hecheln
  • speicheln

Nicht alle Hunde zeigen diese Phase.

Iktus (der Anfall selbst)

Dies ist der Moment, in dem der eigentliche Anfall stattfindet. Diese Phase dauert meist einige Sekunden bis einige Minuten.

Postiktale Phase (Erholungsphase)

Nach dem Anfall kann der Hund noch eine Zeit lang auffälliges Verhalten zeigen, wie:

  • Desorientierung
  • unruhiges Umherlaufen
  • vorübergehend blind wirken
  • extremen Hunger oder Durst
  • Müdigkeit
  • Diese Phase kann Minuten bis Stunden dauern.

Hunderassen, bei denen Epilepsie häufiger vorkommt

Bei manchen Rassen tritt Epilepsie deutlich häufiger auf. Beispiele sind:

  • Labrador Retriever
  • Golden Retriever
  • Border Collie
  • Australian Shepherd
  • Beagle
  • Deutscher Schäferhund
  • Berner Sennenhund
  • Keeshond
  • Sheltie
  • Pudel
  • Vizsla
  • Irischer Setter
  • Weimaraner
  • Drentsche Patrijshond
  • Stabijhoun

Für verschiedene Rassen gibt es כיום DNA-Tests, um erbliche Epilepsie nachzuweisen.

Wie wird Epilepsie festgestellt?

Primäre Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.

Der Tierarzt kann unter anderem Folgendes durchführen:

  • ausführliche körperliche Untersuchung
  • Blutuntersuchung
  • Urinuntersuchung
  • neurologische Untersuchung
  • gegebenenfalls eine MRT-Untersuchung des Gehirns

Erst wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden, wird die Diagnose idiopathische Epilepsie gestellt.

Wann sollte Epilepsie behandelt werden?

Nicht jeder Hund mit Epilepsie benötigt sofort Medikamente. Eine Behandlung wird meist begonnen, wenn:

  • Anfälle häufiger als 1 bis 2 Mal innerhalb von 6 Monaten auftreten
  • die Anfälle sehr heftig sind
  • die Erholungsphase lange dauert
  • die Häufigkeit der Anfälle rasch zunimmt

Heutzutage beginnen Tierärzte oft früher mit der Behandlung als früher, insbesondere bei Rassen mit erblicher Epilepsie, bei denen bekannt ist, dass sich die Erkrankung verschlechtern kann.

Eine sofortige Behandlung ist notwendig bei:

  • Cluster-Anfällen: mehrere Anfälle innerhalb kurzer Zeit (Minuten bis Stunden).
  • Status epilepticus: ein Anfall, der länger als 10 Minuten dauert. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation und erfordert sofortige tierärztliche Hilfe.

Ziel der Epilepsiebehandlung

Die ideale Situation ist, dass der Hund vollständig anfallsfrei wird. Dies gelingt bei etwa 60 bis 70% der Hunde.

Wenn das nicht erreichbar ist, versucht man:

  • die Zeit zwischen den Anfällen zu verlängern
  • die Dauer der Anfälle zu verkürzen
  • die Schwere der Anfälle zu verringern

Bei manchen Hunden wird ein Abstand von mindestens drei Monaten zwischen den Anfällen angestrebt.

Unterstützung durch Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

Bei primärer Epilepsie kann es sinnvoll sein, neben Medikamenten auch Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen.

Nahrungsergänzungsmittel

Unterstützende Ergänzungen können sein:

Auch CBD-Öl wird manchmal verwendet. CBD kann Serotonin-Rezeptoren im Gehirn beeinflussen, wodurch Nervenzellen weniger schnell überaktiv werden.

Futter mit MCT-Fettsäuren

Untersuchungen zeigen, dass MCT-Fettsäuren möglicherweise einen positiven Effekt auf die Gehirnfunktion und die Anfallskontrolle haben.

Spezielle Futtersorten sind zum Beispiel:

Medikamente bei Epilepsie

Wenn Anfälle nicht ausreichend kontrolliert werden können, kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein.

Häufig verwendete Mittel sind:

  • Phenobarbital
  • Imepitoin (Pexion)
  • Kaliumbromid (Epikal)
  • Levetiracetam (Keppra)
  • Epitard (Phenytoin)

Manchmal werden ergänzende Mittel verwendet wie:

Es kann vorkommen, dass mehrere Medikamente kombiniert werden müssen, um die Epilepsie gut unter Kontrolle zu bekommen.

Medikamentenresistente Epilepsie

Bei etwa 30% der Hunde wirken Standardmedikamente nicht ausreichend. Dies wird als medikamentenresistente Epilepsie bezeichnet.

In diesen Fällen kann eine Kombination aus mehreren Medikamenten, angepasster Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln helfen, die Anfälle besser zu kontrollieren.

Epilepsie bei Hunden kann eine einschneidende Erkrankung sein, aber mit der richtigen Behandlung und Begleitung können viele Hunde ein gutes und glückliches Leben führen. Wichtig ist, gemeinsam mit dem Tierarzt einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen und Veränderungen bei den Anfällen gut zu beobachten.

Sind Sie unsicher, ob Ihr Hund an Epilepsie leidet, oder wünschen Sie Beratung zu Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln? Dann nehmen Sie gern Kontakt auf über tierarzt@medpets.de.

Häufig gestellte Fragen zu Epilepsie bei Hunden

Was sind Vorboten von Epilepsie?

Manche Hunde zeigen kurz vor einem Anfall auffälliges Verhalten (die Aura-Phase). Sie können unruhig werden, Aufmerksamkeit suchen, sich verstecken, hecheln, speicheln oder rastlos umherlaufen.

Kann ein Hund durch Alter Epilepsie bekommen?

Ja, aber Epilepsie, die in höherem Alter auftritt, hat häufiger eine zugrunde liegende Ursache, wie einen Hirntumor, eine Entzündung oder eine Stoffwechselstörung. Dies wird als sekundäre oder reaktive Epilepsie bezeichnet.

Ist Epilepsie beim Hund tödlich?

Meistens nicht. Die meisten Hunde können mit Behandlung ein gutes Leben führen. Ein Status epilepticus oder mehrere Anfälle kurz hintereinander (Cluster) können jedoch lebensbedrohlich sein.

Welche Nebenwirkungen haben Medikamente gegen Epilepsie beim Hund?

Nebenwirkungen unterscheiden sich je nach Medikament, können aber sein:

  • Müdigkeit
  • mehr trinken und urinieren
  • mehr Appetit und Gewichtszunahme
  • schwankender Gang oder Koordinationsprobleme

Oft nehmen diese Nebenwirkungen ab, nachdem sich der Körper an das Medikament gewöhnt hat.

Was kann ich tun, wenn mein Hund einen epileptischen Anfall hat?

Bleiben Sie so ruhig wie möglich und versuchen Sie, die Umgebung Ihres Hundes sicher zu machen. Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Hund nicht verletzen kann, indem Sie zum Beispiel Möbel oder scharfe Gegenstände aus der Nähe entfernen. Dimmen Sie das Licht und reduzieren Sie Reize, indem Sie Vorhänge schließen und Geräusche vermindern.

Versuchen Sie, die Dauer des Anfalls zu messen, damit Sie wissen, wie lange er anhält. Berühren Sie Ihren Hund während des Anfalls möglichst wenig, es sei denn, dies ist notwendig, um ihn vor Verletzungen zu schützen.

Es ist sinnvoll, in Absprache mit Ihrem Tierarzt Stesolid (Diazepam) zu Hause zu haben. Dieses können Sie nach telefonischer Rücksprache verabreichen, wenn ein Anfall zu lange dauert oder bei mehreren Anfällen kurz hintereinander.

Nehmen Sie immer Kontakt mit Ihrem Tierarzt auf, wenn ein Anfall länger als einige Minuten dauert, bei wiederholten Anfällen oder wenn Sie sich Sorgen machen.

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Über die Person

Mara van Brussel-Broere, Tierärztin bei Medpets

Absolventin der Tiermedizin für Kleintiere an der Universität Utrecht, bringt sie ihre Praxiserfahrung ein, um Kunden bei Medpets zu beraten und ihr Wissen weiterzugeben. Es ist ihr wichtig, Tierhalter umfassend über Gesundheit und Wohlbefinden ihrer Haustiere zu informieren.

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