Verschiedene Formen der Epilepsie
Bei Hunden unterscheiden wir drei Hauptformen der Epilepsie.
Primäre Epilepsie (idiopathische Epilepsie)
Dies ist die häufigste Form bei Hunden. Dabei wird keine eindeutige Ursache gefunden. Man geht von einer erblichen oder genetischen Veranlagung aus.
Diese Form beginnt meist bei jungen Hunden im Alter zwischen 6 Monaten und 6 Jahren.
Sekundäre Epilepsie
Bei sekundärer Epilepsie wird der Anfall durch eine nachweisbare Erkrankung im Gehirn verursacht, zum Beispiel:
- Hirntumoren
- Gehirnentzündungen
- Hirnverletzungen oder Traumata
- angeborene Fehlbildungen des Gehirns
In diesen Fällen richtet sich die Behandlung vor allem auf die zugrunde liegende Ursache.
Reaktive Epilepsie
Bei reaktiver Epilepsie reagieren die Gehirnzellen auf ein Problem außerhalb des Gehirns, wie zum Beispiel:
- Vergiftung
- Leberprobleme
- schwere Störungen des Blutzuckerspiegels
- Elektrolytstörungen
Wenn die Ursache behandelt wird, verschwinden die Anfälle oft.
Verschiedene Arten epileptischer Anfälle
Nicht jeder Anfall sieht gleich aus. Es werden verschiedene Anfallstypen unterschieden.
Generalisierte Anfälle
Dies sind die klassischen epileptischen Anfälle, bei denen das gesamte Gehirn beteiligt ist.
Symptome können sein:
- Umfallen
- Versteifen
- Zuckungen der Beine
- Speicheln
- Urin oder Kot verlieren
- Bewusstseinsverlust
Fokale (partielle) Anfälle
Dabei ist nur ein Teil des Gehirns betroffen. Die Symptome sind oft subtiler, zum Beispiel:
- Zittern eines Beins oder einer Muskelgruppe
- auffällige Augenbewegungen
- seltsames Verhalten
- in die Luft schnappen
- plötzlich ängstliches oder unruhiges Verhalten
Atypische Anfälle
Einige Anfälle passen nicht eindeutig in die oben genannten Kategorien. Hunde können dann zum Beispiel:
- plötzlich erstarren
- ohne Zuckungen umfallen
- vorübergehend desorientiert sein
Wie verläuft ein epileptischer Anfall?
Ein epileptischer Anfall besteht in der Regel aus drei Phasen.
Aura (Vorphase)
Manche Hunde zeigen bereits vor einem Anfall auffälliges Verhalten, wie:
- Unruhe
- Aufmerksamkeit suchen
- sich verstecken
- hecheln
- speicheln
Nicht alle Hunde zeigen diese Phase.
Iktus (der Anfall selbst)
Dies ist der Moment, in dem der eigentliche Anfall stattfindet. Diese Phase dauert meist einige Sekunden bis einige Minuten.
Postiktale Phase (Erholungsphase)
Nach dem Anfall kann der Hund noch eine Zeit lang auffälliges Verhalten zeigen, wie:
- Desorientierung
- unruhiges Umherlaufen
- vorübergehend blind wirken
- extremen Hunger oder Durst
- Müdigkeit
- Diese Phase kann Minuten bis Stunden dauern.
Hunderassen, bei denen Epilepsie häufiger vorkommt
Bei manchen Rassen tritt Epilepsie deutlich häufiger auf. Beispiele sind:
- Labrador Retriever
- Golden Retriever
- Border Collie
- Australian Shepherd
- Beagle
- Deutscher Schäferhund
- Berner Sennenhund
- Keeshond
- Sheltie
- Pudel
- Vizsla
- Irischer Setter
- Weimaraner
- Drentsche Patrijshond
- Stabijhoun
Für verschiedene Rassen gibt es כיום DNA-Tests, um erbliche Epilepsie nachzuweisen.
Wie wird Epilepsie festgestellt?
Primäre Epilepsie ist eine Ausschlussdiagnose. Das bedeutet, dass zunächst andere Ursachen ausgeschlossen werden müssen.
Der Tierarzt kann unter anderem Folgendes durchführen:
- ausführliche körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchung
- Urinuntersuchung
- neurologische Untersuchung
- gegebenenfalls eine MRT-Untersuchung des Gehirns
Erst wenn andere Ursachen ausgeschlossen wurden, wird die Diagnose idiopathische Epilepsie gestellt.
Wann sollte Epilepsie behandelt werden?
Nicht jeder Hund mit Epilepsie benötigt sofort Medikamente. Eine Behandlung wird meist begonnen, wenn:
- Anfälle häufiger als 1 bis 2 Mal innerhalb von 6 Monaten auftreten
- die Anfälle sehr heftig sind
- die Erholungsphase lange dauert
- die Häufigkeit der Anfälle rasch zunimmt
Heutzutage beginnen Tierärzte oft früher mit der Behandlung als früher, insbesondere bei Rassen mit erblicher Epilepsie, bei denen bekannt ist, dass sich die Erkrankung verschlechtern kann.
Eine sofortige Behandlung ist notwendig bei:
- Cluster-Anfällen: mehrere Anfälle innerhalb kurzer Zeit (Minuten bis Stunden).
- Status epilepticus: ein Anfall, der länger als 10 Minuten dauert. Dies ist eine lebensbedrohliche Situation und erfordert sofortige tierärztliche Hilfe.
Ziel der Epilepsiebehandlung
Die ideale Situation ist, dass der Hund vollständig anfallsfrei wird. Dies gelingt bei etwa 60 bis 70% der Hunde.
Wenn das nicht erreichbar ist, versucht man:
- die Zeit zwischen den Anfällen zu verlängern
- die Dauer der Anfälle zu verkürzen
- die Schwere der Anfälle zu verringern
Bei manchen Hunden wird ein Abstand von mindestens drei Monaten zwischen den Anfällen angestrebt.
Unterstützung durch Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel
Bei primärer Epilepsie kann es sinnvoll sein, neben Medikamenten auch Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel einzusetzen.
Nahrungsergänzungsmittel
Unterstützende Ergänzungen können sein:
Auch CBD-Öl wird manchmal verwendet. CBD kann Serotonin-Rezeptoren im Gehirn beeinflussen, wodurch Nervenzellen weniger schnell überaktiv werden.
Futter mit MCT-Fettsäuren
Untersuchungen zeigen, dass MCT-Fettsäuren möglicherweise einen positiven Effekt auf die Gehirnfunktion und die Anfallskontrolle haben.
Spezielle Futtersorten sind zum Beispiel:
Medikamente bei Epilepsie
Wenn Anfälle nicht ausreichend kontrolliert werden können, kann eine medikamentöse Behandlung erforderlich sein.
Häufig verwendete Mittel sind:
- Phenobarbital
- Imepitoin (Pexion)
- Kaliumbromid (Epikal)
- Levetiracetam (Keppra)
- Epitard (Phenytoin)
Manchmal werden ergänzende Mittel verwendet wie:
Es kann vorkommen, dass mehrere Medikamente kombiniert werden müssen, um die Epilepsie gut unter Kontrolle zu bekommen.
Medikamentenresistente Epilepsie
Bei etwa 30% der Hunde wirken Standardmedikamente nicht ausreichend. Dies wird als medikamentenresistente Epilepsie bezeichnet.
In diesen Fällen kann eine Kombination aus mehreren Medikamenten, angepasster Ernährung und Nahrungsergänzungsmitteln helfen, die Anfälle besser zu kontrollieren.
Epilepsie bei Hunden kann eine einschneidende Erkrankung sein, aber mit der richtigen Behandlung und Begleitung können viele Hunde ein gutes und glückliches Leben führen. Wichtig ist, gemeinsam mit dem Tierarzt einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen und Veränderungen bei den Anfällen gut zu beobachten.
Sind Sie unsicher, ob Ihr Hund an Epilepsie leidet, oder wünschen Sie Beratung zu Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln? Dann nehmen Sie gern Kontakt auf über tierarzt@medpets.de.