Wo im Rücken kann ein Hund einen Bandscheibenvorfall haben?
Bandscheibenvorfälle können an verschiedenen Stellen der Wirbelsäule auftreten. Daher verursacht jeder Bandscheibenvorfall bei Ihrem Hund andere Beschwerden. Wir unterscheiden:
Bandscheibenvorfall im Halsbereich
Hier befindet sich der Bandscheibenvorfall zwischen den Halswirbeln Ihres Hundes. Der Wirbelkanal ist an dieser Stelle weiter, sodass der Druck auf die Nerven häufig geringer ist und Ihr Hund daher weniger unter Ausfallerscheinungen leidet. Ihr Hund kann folgende Symptome zeigen:
- einen steifen Nacken,
- Schwierigkeiten beim Bewegen des Kopfes,
- Schmerzen bei Berührung,
- manchmal Schwäche oder Ausfälle in den Vorderbeinen.
Die Behandlung besteht meistens aus Ruhe und Medikamenten. Eine Operation ist nur selten erforderlich.
Bandscheibenvorfall im mittleren Rückenbereich
Dieser Bandscheibenvorfall verursacht bei einem Hund häufig die schwersten Beschwerden. Sie können folgende Symptome beobachten:
- starke Rückenschmerzen,
- Schwierigkeiten beim Laufen,
- Nachziehen der Pfoten,
- Lähmung der Hinterhand.
Aufgrund der Schwere der Beschwerden erfolgt die Behandlung häufig operativ.
Bandscheibenvorfall im unteren Rückenbereich (lumbosakraler Bandscheibenvorfall)
Dieser Bandscheibenvorfall befindet sich meistens am Übergang zwischen L7 und S1, also zwischen dem letzten Lendenwirbel und dem Kreuzbein. Hier befindet sich kein Rückenmark mehr, sondern einzelne Nerven, die sogenannte Cauda equina.
Wenn neben einem Bandscheibenvorfall auch ein gekipptes Kreuzbein, verdickte Bänder oder verschobene Wirbel vorliegen, kann es sich um Folgendes handeln:
- Lumbosakrale Stenose
- Lumbosakrale Instabilität
- Cauda-equina-Syndrom
Diese Form des Bandscheibenvorfalls tritt vor allem bei großen Rassen wie dem Deutschen Schäferhund auf.
Die Behandlung hängt von der Schwere der Beschwerden ab, besteht jedoch häufig zunächst aus Medikamenten, Ruhe und kontrollierter Bewegung. Bei anhaltenden Beschwerden kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein.
Was ist die Ursache eines Bandscheibenvorfalls?
Ein Bandscheibenvorfall bei Hunden kann verschiedene Ursachen haben:
- Erbliche Veranlagung: Dies beobachten wir beispielsweise bei kurzbeinigen Rassen wie dem Dackel und Basset Hound.
- Verschleiß: Dies ist die häufigste Ursache bei älteren Hunden und Hunden, die viel gearbeitet haben.
- Trauma: Auch durch ein Trauma kann ein Bandscheibenvorfall entstehen.
- Eine Kombination aus erblicher Veranlagung, Verschleiß und Trauma.
Wie wird ein Bandscheibenvorfall bei Hunden diagnostiziert?
Die Diagnose beginnt mit einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls einer Röntgenaufnahme, auf der manchmal eine Verengung zwischen zwei Wirbeln zu erkennen ist. Um jedoch genau festzustellen, um welche Art von Bandscheibenvorfall es sich handelt und wie stark der Druck auf das Rückenmark ist, sind zusätzliche bildgebende Untersuchungen erforderlich, wie zum Beispiel:
- MRT: Dies ist die beste Methode zur Beurteilung von Weichteilen wie der Bandscheibe und dem Rückenmark.
- CT: Diese Untersuchung ist vor allem bei Knochenveränderungen hilfreich.
- Myelografie: Dies ist eine Kontrastmittelaufnahme des Rückenmarks und wird heutzutage seltener eingesetzt.
Wie wird ein Bandscheibenvorfall bei Hunden behandelt?
Die Behandlung hängt vollständig von der Schwere der Beschwerden ab.
Bei leichten Beschwerden wird daher häufig zunächst Ruhe in Kombination mit Schmerzmitteln (NSAR) empfohlen. Ruhe bedeutet in diesem Fall: 4 bis 6 Wochen Boxenruhe. Auch wenn sich der Hund besser zu fühlen scheint. Dies ist wirklich notwendig, damit sich der Rücken erholen kann. Nach diesem Zeitraum sind häufig eine Kontrolluntersuchung und eine erneute Beurteilung des Hundes erforderlich.
Bei Schmerzen und leichten Ausfallerscheinungen wird häufig Ruhe in Kombination mit Kortikosteroiden gewählt. Diese lindern ebenfalls die Schmerzen und können außerdem dazu beitragen, die Schwellung und den Druck rund um das Rückenmark zu verringern.
Wenn der Hund Lähmungserscheinungen zeigt, ist eine Operation eigentlich die einzige Behandlungsmöglichkeit. In diesem Fall ist es wichtig, dass der Hund noch Schmerzempfinden hat, da die Prognose sonst schlecht ist. Nach einer Operation beginnt ein Rehabilitationsprozess, bei dem Physiotherapie die Erholung der Muskulatur und Beweglichkeit unterstützen kann.
Welche Komplikationen können nach einer Bandscheibenoperation auftreten und wie ist die Prognose?
Mögliche Komplikationen eines Bandscheibenvorfalls, auch nach einer Operation, sind:
- ein erneuter Bandscheibenvorfall,
- bleibende Nervenschäden und damit Lähmungserscheinungen.
Die Prognose ist meistens gut, wenn schnell die richtige Behandlung gewählt wird, insbesondere bei leichten Beschwerden. Wenn tatsächlich eine Lähmung vorliegt, ist die Prognose weniger günstig. Bei fehlender Tiefenschmerzwahrnehmung ist die Prognose sehr zurückhaltend.
Ist Gabapentin ein gutes Medikament bei einem Bandscheibenvorfall?
Gabapentin ist ein Medikament, das häufig bei Nervenschmerzen eingesetzt wird, wie sie auch bei einem Bandscheibenvorfall auftreten. Es verringert Schmerzsignale, die über die geschädigten Nerven weitergeleitet werden. Gabapentin wird häufig zusätzlich zu anderen Schmerzmitteln wie NSAR oder Kortikosteroiden verabreicht. Es ist kein Entzündungshemmer, sondern dient speziell der Linderung von Nervenschmerzen.
Was kostet die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls?
Die Kosten für die Behandlung eines Bandscheibenvorfalls können stark variieren. Abhängig vom Schweregrad und dem gewählten Vorgehen müssen Sie mit folgenden Kosten rechnen:
- Konsultation + Röntgenaufnahme: ab 150 € bis 300 €
- MRT/CT: 800 € bis 1.500 €
- Operation: 1.500 € bis 3.500 €
- Nachsorge + Medikamente: einige Hundert Euro
Eine vollständige Behandlung mit Diagnostik, Operation und Nachsorge kann sich somit auf 3.000 € bis 5.000 € belaufen.
Was ist, wenn Ihr Hund gelähmt bleibt? Rollstuhl oder Hebehilfe
Manche Hunde erholen sich leider nicht vollständig. Wenn ein Hund gelähmt bleibt, aber selbstständig urinieren und Kot absetzen kann, kann ein Hunderollstuhl oder eine Hebehilfe eine Lösung bieten. Diese Hilfsmittel stützen die Hinterhand und sorgen dafür, dass der Hund mobil bleibt.
Voraussetzung für diese Möglichkeit: Der Hund muss geistig fit sein, darf keine Schmerzen haben und muss noch Lebensqualität besitzen.
Wann sollte ein Hund mit einem Bandscheibenvorfall eingeschläfert werden?
Dies ist bei jedem Hund und Halter anders. Eine Euthanasie sollte auf jeden Fall erwogen werden, wenn:
- der Hund irreversibel gelähmt ist und
- nicht selbstständig urinieren oder Kot absetzen kann
- trotz Behandlung anhaltende Schmerzen vorliegen
- der Hund keine Lebensqualität mehr hat
Dies ist eine schwierige, aber manchmal notwendige Entscheidung, die Sie gemeinsam mit Ihrem Tierarzt treffen sollten.
Eine andere Hernie bei Hunden: die Perinealhernie
Neben Bandscheibenvorfällen können Hunde auch an einer Perinealhernie leiden. Dabei handelt es sich um einen Bruch im Muskel- und Bindegewebe rund um den After, wodurch sich der Enddarm und manchmal auch die Blase oder Prostata unter der Haut vorwölben. Dadurch entsteht eine Beule neben dem After.
Bei Ihrem Hund können folgende Symptome auftreten:
- Schwierigkeiten beim Kotabsatz,
- eine Verdickung neben dem After,
- Verstopfung oder erfolgloses Pressen beim Kotabsatz.
Diese Hernie tritt meistens bei älteren, unkastrierten Rüden auf. Die Behandlung erfolgt fast immer chirurgisch. Häufig wird auch eine (chemische) Kastration gewählt, da eine vergrößerte Prostata den Druck auf den Beckenboden erhöht.
Haben Sie noch Fragen zu Bandscheibenvorfällen bei Hunden? Dann kontaktieren Sie uns unter tierarzt@medpets.de.