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Silvestertraining für Hunde

Silvestertraining für Hunde

Für viele Hunde bedeutet der Jahreswechsel leider jede Menge Stress. Ohne Vorwarnung leuchten plötzlich überall Lichtblitze auf, es zischt, pfeift und knallt aus allen Ecken. Doch ein Silvester-Training kann dem Vierbeiner helfen! In diesem Artikel erfahren Sie, wie Angst vor Feuerwerk bei Hunden entsteht, warum diese Angst behandelt werden sollte und welches Training sich hierfür eignet.

Es liegen keine konkreten Zahlen vor, wie viele Hunde tatsächlich unter Angst vor Feuerwerk leiden, aber ein Großteil der Hundebesitzer bemerkt, dass ihr Hund nervös oder ängstlich ist. Das äußert sich in unruhigem Verhalten, hohem Fiepen, Bellen, Unsauberkeit oder auch Zerstörungswut. Gegen Ende des Jahres wird Tierärzten häufig die Frage gestellt, ob sie nicht beruhigende Mittel verschreiben könnten, um dem Hund einigermaßen komfortabel über den Jahreswechsel zu helfen. Allerdings ist es deutlich wirkungsvoller - und auch von Dauer - wenn stattdessen mit einem Silvester-Training begonnen wird. Insofern das Training ein paar Monate vor dem großen Tag startet, stehen die Chancen gut, dass der Wechsel ins neue Jahr schon viel reibungsloser und entspannter verläuft.

Wie entsteht eigentlich Angst vor Silvester?

Schon ab einem Alter von drei Wochen beginnt die Sozialisierungsphase bei einem Welpen. In dieser Phase sind Welpen von Natur aus sehr neugierig und sie lassen sich auch nicht so schnell von irgendetwas einschüchtern. Wann immer sie sich in dieser Zeit unverhofft erschrecken, stecken sie dies in der Regel ohne Probleme weg.

Haben Welpen ein Lebensalter von etwa 12 Wochen erreicht, beginnt die sogenannte 'Angstphase'. Wie der Name schon andeutet, können sich die jungen Hunde schnell einmal erschrecken und ängstlich reagieren. Nach einem negativen Erlebnis erholen sie sich weniger gut. Auf diese Weise kann eine Basis für (Silvester-) Angst geschaffen werden. Es ist wichtig zu beachten, dass die Entwicklung zu einem ängstlichen Verhalten auch vererbt werden kann. Daher macht es durchaus Sinn sich vor dem Kauf eines Welpen über das Verhalten der Elterntiere bei Feuerwerk zu informieren.

Warum muss Silvestersangst behandelt werden?

Man könnte meinen, eigentlich sei es doch egal, denn schließlich tritt das Phänomen ja nur einmal im Jahr auf. Aber: Neben der Tatsache, dass es eine sehr unschöne Erfahrung für den Hund ist, wird der Hund nach jeder negativen Erfahrung ein wenig ängstlicher. Hierdurch kann der Vierbeiner irgendwann generelle Angstzustände entwickeln, was bedeutet, dass sich der Hund dann auch vor anderen lauten Geräuschen ängstigt wie beispielsweise bei einem Gewitter. Die Folge: Anstelle eines Problems, dass nur einmal im Jahr auftritt, ist Ihr Hund dann permanent in unvorhersehbaren Situationen ängstlich. Das hat einen nicht unbedeutenden Einfluss auf das Wohlbefinden des Hundes.

Je länger ein solches Problem schon besteht, umso schwieriger wird es erfolgreich zu bewältigen sein. Doch ein Hund ist glücklicherweise sein ganzes Leben lang lernfähig. Also fangen Sie so frühzeitig wie möglich mit einem Verhaltenstraining an. Aber keine Angst, es ist nie zu spät, um damit zu beginnen!

Was kann man gegen die Angst vor Feuerwerk tun?

Trainieren Sie Ihren Hund! Hunde sind stark in assoziativem Lernen. Das bedeutet, dass sie schnell Ereignisse (Reize) miteinander verknüpfen können. Das assoziative Lernen kann dabei den Prinzipien der klassischen Konditionierung (wie beispielsweise im bekannten Pavlovexperiment) folgen. Eine andere Art des Lernens ist die operante Konditionierung. Hierbei knüpft der Hund eine Verbindung zwischen seinem eigenen Verhalten und der daraus folgenden Konsequenz. Einfaches Beispiel: Hochspringen an Menschen hat Aufmerksamkeit zur Folge.

Bei dem Training gegen Silvesterangst ist es das Ziel, dass der Hund den Lärm des Feuerwerks mit etwas Angenehmem verbindet. Dieses Verfahren nennt sich Gegenkonditionierung. Es sind spezielle CDs mit Feuerwerksgeräuschen erhältlich, die genau für diesen Zweck verwendet werden können. Dabei ist es wichtig, täglich mit dem Hund einige Minuten zu spielen/trainieren, während die Geräusche auf der CD leise im Hintergrund abgespielt werden. Spielzeug und Belohnung sollten hierbei einzigartig sein. Sie dürfen diese Dinge ausschließlich während des Trainings oder gemeinsamer Spielzeiten verwenden. Auf diese Weise bleibt der Hund interessiert. Da Hunde Frequenzen im niedrigen Bereich besser hören als Menschen, vergessen Sie bei ängstlichen Hunden bitte nie, das Training auf einem sehr niedrigen Lautstärkeniveau zu beginnen. Hat der Hund Angst, muss das Volumen weiter zurückgedreht werden.

Eine Bestrafung eines ängstlichen Hundes steht außer Frage. Das einzige Ergebnis, das Sie damit erreichen würden, wäre, dass der Hund das Feuerwerk oder Gewitter ab sofort mit einer Bestrafung verbindet.

Wie kann man den Silvesterstress vermeiden?

Bekommt man einen jungen Welpen, muss dieser oft mit allerlei neuen Dinge vertraut werden: Kinder, ältere Menschen, Straßenverkehr, andere Hunde, andere Tiere und vieles mehr. Oft wird unterschätzt, dass sich junge Hunde auch an verschiedene Töne und Geräusche erst gewöhnen müssen. Wir selbst wissen, was uns am Silvesterabend erwartet, aber unsere Hunde haben natürlich keine Ahnung, was auf sie zukommt! Und es ist eine völlig natürliche Reaktion, dass sie vor lautem Knallen fliehen möchten.

Es ist also das Beste, junge Welpen bereits im Vorfeld an die Feuerwerksgeräusche zu gewöhnen. Die Trainingsmethode ist vergleichbar mit der Therapie, die bei bereits bestehender Silvesterangst angewendet wird. Sie hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: Ein junger Welpe ohne negative Erfahrung wird sehr viel schneller lernen. So kann der Welpe die Feuerwerksgeräusche mit positiver Aufmerksamkeit seines Besitzers assoziieren.

Warheit oder Mythos

'Ängstliche Hunde sollten ignoriert werden.'
Falsch! Früher wurde meist empfohlen, Hunde komplett zu ignorieren, sobald sie sich ängstlich zeigen. Es ist ein Irrglaube, dass es die Angst bei Hunden verstärkt, wenn sie in dieser Situation unterstützt werden. Nach Ansicht von Experten in der Verhaltenstherapie von Hunden kann ein Verhalten durch Aufmerksamkeit verstärkt werden, das gilt jedoch nicht für Emotionen wie Angst.
Ignoriert zu werden, wenn man Angst hat, ist niemals in Ordnung! Aber es ist wichtig, dem Hund Trost zu spenden ohne ihn zu bevormunden, zu verhätscheln, dauernd zu streicheln oder mit ihm zu kuscheln.

'Er wird sich schon daran gewöhnen, wenn wir ihn rauslassen, sobald das Feuerwerk abgeschossen wird.'
Falsch! Wenn jemand Höhenangst hat, geht diese auch nicht dadurch weg, dass wir diese Person sich einfach an die große Höhe "gewöhnen" lassen. Das ist bei Hunden auch nicht anders. Anstatt die Hunde direkt dem Silvesterlärm auszusetzen, müssen sie erfahren, dass sie Feuerwerkskörper nicht fürchten brauchen. Effektiver ist es, sie zu lehren, dass immer tolle Dinge in dem Moment geschehen (positive Verstärkung), wenn knallende Geräusche oder Blitze auftreten.

'Wenn Sie beim Spaziergang unerwartet mit einem Feuerwerk konfrontiert werden, ist es das Beste, Ihren (kleinen) Hund auf den Arm zu heben, wenn er Angst hat.'
Wahr! Heben Sie (insofern möglich) Ihren Hund hoch und gehen Sie mit ihm nach Hause. Das ist die beste Option, denn so versuchen Sie, weitere negative Erfahrungen mit dem Feuerwerk zu vermeiden.

Last-minute-Tipps

Nach dem Lesen dieses Artikels wird natürlich jeder gleich mit dem Training beginnen! Der Vollständigkeit halber möchten wir auch noch ein paar Last-minute-Tipps geben. Was tun, wenn Silvester naht und Sie mit einem ängstlichen Hund dasitzen?

  • Bringen Sie den Hund frühzeitig an einen ruhigen Ort und gehen Sie unter keinen Umständen mit ihm nach draußen, während das Feuerwerk abgeschossen wird!
  • Verwenden Sie beruhigende Ergänzungsmittel wie Zylkene, Adaptil, Vetplus Calmex und/oder auch Hilfsmittel wie ein Thundershirt. Über Ihren Tierarzt können Sie auch angsthemmende Medikamente beziehen. Früher wurden häufig Mittel mit dem Wirkstoff Acepromazin eingesetzt. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass Hunde, die mit Acepromazin behandelt wurden, zwar ruhig aussehen, dies aber in Wirklichkeit gar nicht sind. Das Medikament nimmt den Hunden nicht die Angst selbst, sondern die Hunde sind nur nicht mehr in der Lage zu reagieren. Das Ergebnis ist höchstens noch eine Zunahme der Angst.
  • Bringen Sie den Hund in einen Raum, in dem die Fenster mit Gardinen oder Rollos verschlossen werden können, um ihn vor Lichtblitzen zu schützen. Außerdem sollte ein Raum ausgesucht werden, in dem die Außengeräusche so gut wie möglich gedämmt werden.
  • Sorgen Sie für 'Gegengeräusche' wie beispielsweise Musik. Hierdurch wird ein Teil des Lärms, den das Feuerwerk verursacht, blockiert.
  • Versuchen Sie Ihren Hund abzulenken. Das ist ganz einfach mit einem Kong möglich, den Sie mit allerlei Leckerlis gefüllt haben. Die Füllung sollte etwas sein, das der Hund nur ganz selten bekommt und wirklich liebt.
  • Falls sich der Hund verkriechen sollte und einen guten Unterschlupf gefunden hat, dann lassen Sie ihn dort. Holen Sie Ihren Hund nicht aus seinem sicheren Versteck heraus.
  • Unterstützen Sie Ihren Hund ohne ihn zu bemuttern oder zu verhätscheln. Lassen Sie ruhig zu, dass sich der Hund zu Ihnen setzt (legt), bleiben Sie ruhig und lassen Sie ihn sehen, dass Sie keine Angst haben.
  • Insofern es nicht möglich ist, eine ruhige häusliche Umgebung für den Hund zu schaffen, sollten Sie lieber mit Ihrem Hund zum Jahreswechsel woanders übernachten.

Bei Fragen oder für weitere Informationen können Sie sich gerne an unsere Tierärztin wenden: 06922 222 95 73 oder per E-Mail an: tierarzt@medpets.de.

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