> Chronische Niereninsuffizienz bei Katzen

Chronische Niereninsuffizienz bei Katzen

Chronische Niereninsuffizienz bei Katzen

Viele ältere Katzen bekommen Probleme mit den Nieren. Eine chronische Niereninsuffizienz nennt man den (schleichend verlaufenden) Funktionsverlust der Nieren. Dieses Nierenversagen kann über Monate und Jahre fortschreiten, ohne dass der Katzenbesitzer auch nur das Geringste merkt. Da im Frühstadium noch keine ernsthaften Symptome auftreten, werden erste Anzeichen oft nicht wahrgenommen. Erst dann, wenn schon ein Großteil des Nierengewebes zerstört ist, zeigt die Katze auch tatsächlich Symptome einer Nierenerkrankung. Sollte Ihnen also auffallen, dass Ihre alternde Katze etwas langsamer wird, weniger frisst, das Fell in einem schlechteren Zustand ist, an Gewicht verliert oder mehr trinkt und uriniert als bisher, ist es ratsam, sie von einem Tierarzt untersuchen zu lassen. Möglicherweise hat sich ja die Funktion der Nieren verschlechtert.

Wozu sind die Nieren eigentlich da?

Die Niere ist ein lebensnotwendiges Organ, das vielfältige Aufgaben im Körper der Katze übernimmt. Zum einen halten die Nieren den körpereigenen Flüssigkeitshaushalt im Gleichgewicht, indem sie mehr oder weniger Wasser über den Urin ausscheiden. Außerdem wirken sie als Filter, der Abfallprodukte aus dem Blut entfernt und "gute" Stoffe im Körper hält. Die Abfallstoffe werden dann mit dem Wasser über den Urin ausgeschieden. Das ist aber noch nicht alles, denn die Nieren produzieren auch unterschiedliche Substanzen, die wichtig für den Kalziumhaushalt, den Blutdruck und die Produktion von roten Blutkörperchen sind.

Genau wie wir Menschen haben Katzen zwei Nieren. Bei Katzen haben die bohnenförmigen Organe eine Größe von etwa drei Zentimetern. Die Niere selbst besteht aus Tausenden von kleinen Funktionseinheiten, den sogenannten Neophronen, die das Blut filtrieren. Das Blut im Körper der Katze wird permanent durch die Nieren (und Neophrone) geleitet. Bei jungen und gesunden Tieren sind nicht alle dieser Funktionseinheiten gleichzeitig aktiv. Einige der Neophrone dienen lediglich Reservezwecken. Aufgrund des fortschreitenden Alters oder Schäden an den Nieren sterben einige der Neophrone ab. In diesen Fällen übernehmen die Reserveeinheiten ihre Arbeit, bis schließlich alle Neophrone im Einsatz sind. Sind keine Funktionseinheiten mehr in Reserve, die Schädigung der Nieren setzt sich aber weiter fort, beginnt die Katze, Anzeichen von chronischer Niereninsuffizienz zu zeigen.

Chronische Niereninsuffizienz

Chronische Nierenerkrankungen der Katze, auch chronisches Nierenversagen oder chronische Niereninsuffizienz genannt, gehören zu den häufigen Erkrankungen bei Katzen über dem 9. Lebensjahr. In diesem Fall ist ein Teil der Nieren bereits irreparabel geschädigt. Für ein chronisches Nierenversagen gibt es unterschiedliche Ursachen. Im Normalfall besteht bei einer chronischen Niereninsuffizienz keine Aussicht auf Heilung, denn die Katze leidet schon sehr viel länger unter der Erkrankung als Beschwerden auftreten. Wegen der Reservekapazität der Nieren machen sich erst dann Symptome bemerkbar, wenn bereits 75% der Nierenfunktion verloren gegangen sind. Erste Anzeichen sind in der Regel recht unspezifisch oder vage, wie beispielsweise ein stumpfes Fell oder Lethargie. Zudem ist langsam aber sicher bemerkbar, dass die Katze größere Pfützen in der Toilette hinterlässt.

Symptome

In vielen Fällen werden die ersten Anzeichen für eine chronische Niereninsuffizienz nicht erkannt oder als Alterungserscheinung heruntergespielt. Wird jedoch nichts unternommen, werden die Nieren weiter geschädigt und es treten schwerwiegende Probleme auf.

Verliert die Niere eine große Anzahl ihrer Neophrone, arbeitet sie nicht mehr ordnungsgemäß. Die Nieren scheiden zu viel Wasser durch den Urin aus und halten damit zu wenig Flüssigkeit im Körper. Um diesen Flüssigkeitsverlust zu kompensieren, trinkt die Katze mehr. Kann die Katze nicht ausreichend Wasser nachtrinken, trocknet sie von innen her aus.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass Abfallstoffe nicht mehr aus dem Körper der Katze abtransportiert werden und sich diese im Blutkreislauf anreichern. Diese Abfallstoffe wirken wie Giftstoffe auf die Katze. Vor allem Harnstoff, ein Abfallprodukt aus dem Eiweißstoffwechsel, verursacht hier Probleme. Erhöhte Harnstoffwerte im Blut führen aus verschiedenen Gründen zu Reizungen und wunden Stellen in Mund und Magen, was Erbrechen und verminderten Appetit zur Folge hat, wodurch die Katze auffällig wird.

Durch die verminderte Filterfunktion der Nieren werden auch Eiweiße über den Urin ausgeschieden. Bei einem Eiweißmangel greift der Körper der Katze dann auf seine eigenen Proteinreserven in Form von Muskeln zurück und setzt hieraus Eiweiße frei.

Auch die Kapazität der Niere, Hormone zu produzieren, wird von der Erkrankung in Mitleidenschaft gezogen - mit allen Konsequenzen. Tritt beispielsweise ein Mangel des Hormons EPO auf, kann das eine Anämie verursachen. Dadurch wird die Katze lethargisch und lustlos. Diese Blutarmut kann sich durch Geschwüre und Entzündungen in Mund und Magen noch verschlimmern.

Nierenschäden beeinflussen zudem die Regulierzentren des Blutdruckes, wodurch es zu einer Blutdruckerhöhung bei der Katze kommt. Im Gegenzug kann es durch den Bluthochdruck aufgrund der Drucküberlastung der Nieren zu weiteren Schädigungen kommen. Normalerweise merkt ein Katzenbesitzer nichts davon, wenn seine Katze einen hohen Blutdruck hat. Erst in einem späten Stadium treten Symptome wie Blutungen im Auge, Herzprobleme oder Erblindung auf.

Erstellen einer Diagnose

Es ist nicht schwierig, ein chronisches Nierenversagen zu diagnostizieren. Auf der Grundlage der Symptome sowie einer körperlichen Untersuchung entstehen beim Tierarzt bereits erste Verdachtsmomente. Diese Vermutungen können durch eine Urinanalyse und Bluttests bestätigt werden. Manchmal wird auch der Blutdruck gemessen.

Urinanalyse

Eine Urinuntersuchung ist bei der Diagnose einer chronischen Nierenerkrankung bei Katzen unverzichtbar. Der Urin wird auf die Anwesenheit von Proteinen und Entzündungsmerkmalen (Bakterien oder Eiter) untersucht und das spezifische Gewicht bestimmt. Das spezifische Gewicht zeigt an, wie verdünnt oder konzentriert der Urin ist. Aus dem Wert erhält der Tierarzt Aufschluss über die Funktionsfähigkeit der Nieren.

Bluttests

Bei einer Blutuntersuchung werden vor allem zwei Werte gemessen: Harnstoff und Kreatinin. Beides sind sogenannte harnpflichtige Stoffe, also Abfallprodukte des Körpers, die über den Urin ausgeschieden werden müssen. Bei einem Nierenversagen werden Harnstoff und Kreatinin nicht mehr in ausreichendem Maße über den Urin abgeleitet und die Stoffe reichern sich im Körper an. Damit bilden sie einen guten Maßstab für die Nierenfunktion. Kreatinin ist ein Abfallprodukt aus dem Energiestoffwechsel der Muskulatur. Bei einem gesunden Tier sind die Kreatinin-Werte im Blut relativ stabil, da das Abbauprodukt ständig über den Urin ausgeschieden wird. Sind die Nieren zu mehr als 60% geschädigt, können die Neophrone nicht mehr das ganze Kreatinin im Blut verarbeiten, daher steigt der Kreatinin-Wert im Blut an.

Seit kurzem ist auch ein neuer Bluttest auf dem Markt: SDMA (Symmetrical dimethylarginine). Mit diesem Test kann eine Nierenfunktionsstörung schon frühzeitiger erkannt werden, nämlich bereits ab einer Abnahme von 25 bis 40% der Nierenfunktion.

Auch der Harnstoffwert sagt etwas über die Nierenfunktion aus. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird dieser Stoff ebenfalls nicht mehr richtig ausgeschieden und die Konzentration im Blut steigt an.

Ein weiterer wichtiger Parameter für die Nierenfunktion ist Phosphat. Phosphat ist das negativ geladene Ion des Salzes der Phosphorsäure, das an wichtigen Stoffwechselprozessen beteiligt ist. So ist das Phosphat zusammen mit dem Kalzium für den Knochenstoffwechsel notwendig und übernimmt eine Schlüsselrolle im Energiestoffwechsel. Auch überschüssiges Phosphat wird über die Nieren ausgeschieden, sodass ein erhöhter Phosphatwert im Blut unter Umständen auf eine Nierenfunktionsstörung hindeutet. Ein Zuviel an Phosphat im Blut ist schädlich für die Katze.

Blutdruck

Da eine Katze mit chronischer Niereninsuffizienz ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck hat, wird häufig auch der Blutdruck vom Tierarzt bei einer Untersuchung überprüft. Das geschieht auf ähnliche Weise wie beim Menschen. Der Blutdruck bei Katzen wird mittels aufblasbarer Druckmanschette und Doppler-Ultraschall (oder Oszillometrie) gemessen. Dafür legt der Tierarzt in der Regel die Manschette am Vorderbein oder am Schwanz an. Wird ein hoher Blutdruck festgestellt, können dagegen Medikamente verabreicht werden.

Behandlung

Bei einem chronischen Nierenversagen besteht keine Chance auf Heilung. Eine Behandlung beruht darauf, weitere Verschlechterungen der Nierenfunktion zu vermeiden.

Bei schwerer Niereninsuffizienz mit Symptomen wie Nahrungsverweigerung, Erbrechen, starker Austrocknung, Abmagerung und Lethargie, muss die Katze für ein paar Tage in einer Tierklinik aufgenommen werden. Um den Flüssigkeitsmangel zu kompensieren und die Nieren gut durchzuspülen, wird der Katze eine Infusion gelegt, bei der die Flüssigkeit direkt in die Blutbahn injiziert wird. Frisst die Katze nicht, muss sie zwangsernährt werden. Wenn sich nach ein paar Tagen intensiver Behandlung zeigt, dass die Blutwerte (Nierenwerte) wieder in den Normbereich gehen, darf die Katze - mit einer speziellen Nierendiät und Medikamenten - wieder nach Hause.

Wird das Nierenversagen relativ frühzeitig diagnostiziert und es treten noch keine schwerwiegenden Symptome auf, ist es nicht notwendig, die Katze in einer Tierklinik aufzunehmen. Die Katze kann dann wieder nach Hause zurück und wird mit speziellem Futter und Medikamenten behandelt. Um die Nieren so gut wie möglich zu durchspülen, muss sichergestellt sein, dass die Katze so viel Wasser wie möglich aufnimmt. Ein vermehrtes Trinken kann beispielsweise mit einem Trinkbrunnen stimuliert werden. Gegenüber Trockenfutter hat Nassfutter oder eingeweichtes Trockenfutter entscheidende Vorteile: Mit ihm nimmt die Katze gleich mit der Nahrung Wasser auf.

Die Ernährung spielt bei der Behandlung von chronischem Nierenversagen eine wichtige Rolle. Die Katze sollte für den Rest ihres Lebens eine spezielle Nierendiät bekommen. Spezielles Nierendiätfutter enthält weniger Proteine als Standardfutter, dafür hat das Eiweiß eine bessere Qualität. Aus diesem Grund wird weniger Harnstoff im Körper gebildet, sodass sich die Katze weniger kränklich fühlt.

Zeigt der Bluttest, dass die Phosphatkonzentration im Blut erhöht ist, verschreibt der Tierarzt zudem Phosphat bindende Medikamente. Diese Mittel stellen sicher, dass das Phosphat aus dem Futter gebunden wird, sodass es in geringerem Umfang ins Blut aufgenommen werden kann. Enthält das Blut zu wenig Kalium, muss dies ergänzt werden. Manchmal verschreibt der Tierarzt zudem noch andere Medikamente, beispielsweise zur Senkung des Blutdruckes oder um Eiweißausscheidungen über den Urin zu reduzieren.

Prognose

Obwohl sich einmal geschädigtes Nierengewebe nicht wieder erholt, so kann die richtige Therapie doch dafür sorgen, dass noch eine gute Lebensqualität für die Katze erhalten bleibt. Allerdings ist eine Prognose bei chronischer Niereninsuffizienz ein gewagtes Unterfangen. Bei einigen Katzen verschlechtert sich der Zustand zusehends, während andere noch viele Jahre glücklich weiterleben.

Sollten Sie Anzeichen von chronischen Nierenerkrankungen bei Ihrer Katze erkennen, ist es ratsam, Ihre Katze von einem Tierarzt untersuchen zu lassen. Einige Tierärzte bieten einen speziellen Senior-Check an, bei dem zusätzlich zu einer körperlichen Untersuchung auch ein Bluttest durchgeführt wird, um die Organfunktionen - einschließlich Nierenfunktion - zu überprüfen. Bei einer älteren Katze kann man damit sicherlich nichts falsch machen. Falls Abweichungen von den Normwerten gefunden werden, wissen Sie zumindest rechtzeitig Bescheid und die Behandlung kann frühzeitig begonnen werden. Je früher die Nieren erhaltenden Maßnahmen eingeleitet werden, umso besser ist die Prognose.

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