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Futtermittelallergien bei Hunden und Katzen

Futtermittelallergien bei Hunden und Katzen

Futtermittelallergien bei Hunden und Katzen scheinen in den letzten Jahren immer häufiger aufzutreten. Manchmal ist es etwas schwierig, eine endgültige Diagnose zu stellen. Aus diesem Grund wird eine solche Allergie häufig überdiagnostiziert. Eine Überdiagnose ist eine richtig erkannte Erkrankung, die jedoch nicht auffällig geworden wäre, hätte man nicht explizit nach ihr gesucht. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass in einhundert Fällen von Hautproblemen bei Hunden und Katzen im Durchschnitt lediglich einer auf eine Nahrungsmittelallergie zurückzuführen ist.

Futtermittelunverträglichkeit, -allergie oder -intoleranz?

Diese Begriffe werden meist synonym verwendet, allerdings bezeichnen sie unterschiedliche Sachverhalte. Eine Futtermittelunverträglichkeit oder Futtermittelüberempfindlichkeit ist ein Oberbegriff für anormale Reaktionen auf Bestandteile des Futters. Sowohl die Futtermittelintoleranz als auch die Futtermittelallergie fallen unter diesen Sammelbegriff. Von einer Futtermittelallergie sprechen wir nur dann, wenn das Immunsystem an der Reaktion beteiligt ist, die Reaktion also tatsächlich von allergischen Symptomen begleitet wird. In allen anderen Fällen handelt es sich um Futtermittelintoleranzen oder andere Futtermittelunverträglichkeiten. Zur letzteren Gruppe gehört beispielsweise eine Laktoseintoleranz oder eine Lebensmittelvergiftung. Bei einer Milchzuckerunverträglichkeit fehlt das Enzym Laktase im Organismus, sodass der Milchzucker (Laktose) nicht oder nur unzureichend abgebaut werden kann. Bei Lebensmittelvergiftungen ist ein Giftstoff aus der Nahrung verantwortlich für die Symptome. In beiden Fällen ist das Immunsystem nicht beteiligt. In diesem Artikel legen wir den Schwerpunkt auf Futtermittelallergien.

Symptome

Wichtigste Symptome einer Futtermittelallergie bei Tieren sind mittelschwere bis schwere, nicht saisonbedingte Hautprobleme und Juckreiz. Vor allem an den Ohren, den Pfoten, in der Leistengegend, in den Achseln, sowie rund um die Augen und die Nase kommt es zu Juckreiz und wir können Haarausfall, Rötungen und/oder auch Schwellungen erkennen. Manchmal sind die Symptome auch subtiler: schuppige Haut, fettiges Fell, Ohrenentzündung und in 15% der Fälle auch Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt. Magen-Darm-Probleme können sich beispielsweise in Erbrechen nach einer Mahlzeit oder/und Durchfall äußern. Auch eine Dickdarmentzündung (Colitis) oder eine erhöhte Frequenz bei der Stuhlausscheidung können Symptome einer Futtermittelallergie sein. Einige Hunde lecken vermehrt an ihren Pfoten oder reiben mit der Schnauze über den Boden. Bei Katzen äußert sich eine Nahrungsmittelallergie in Krustenbildung auf der Haut, symmetrischem Haarausfall (Feline symmetrische Alopezie), Eosinophilem Granulomkomplex (EGK) und/oder einem starken Juckreiz an Hals und Kopf. Es stellt ein großes Problem dar, dass die Symptome für eine Futtermittelallergie nicht spezifisch sind. Juckreiz, Hautveränderungen und Lecken treten beispielsweise auch bei einer Atopie auf. Die Hautprobleme bei einer Nahrungsmittelallergie werden häufig mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Neben einer Atopie treten auch immer wieder Hefepilz-Infektionen (Malassezia pachydermatis) auf. In welchem Alter sich die ersten Anzeichen zeigen, ist unterschiedlich. Manche Tiere haben schon im zweiten Lebensmonat Probleme, während bei anderen erst im hohen Alter von 14 Jahren das erste Mal Symptome auftreten. In den meisten Fällen jedoch sind Tiere im ersten Lebensjahr betroffen. Selbst dann, wenn ein Tier die gleiche Nahrung über Jahre hinweg bekommt, kann sich trotzdem irgendwann plötzlich eine Allergie entwickeln.

Ursachen

Allergische Reaktionen sind in der Regel auf ein bestimmtes Protein zurückzuführen, in Ausnahmefällen auch auf Kohlenhydrate. Zu den häufigsten Allergenen (das sind Substanzen, auf die das Tier allergisch reagiert) gehören bei Hunden Rind, Huhn, Eier, Mais, Weizen, Soja und Milch. Katzen entwickeln vor allem Allergien gegen Fisch, Rindfleisch, Milch und Huhn. Meist kann bei Hunden und Katzen eine Reaktion auf ein bis fünf Allergene festgestellt werden.

Diagnose

Die einzige Möglichkeit, eine Futtermittelallergie zu diagnostizieren, besteht in einer Eliminationsdiät. Bluttests, die bei Hunden und Katzen durchgeführt werden, sind im Allgemeinen nicht aussagekräftig. Bei einer Eliminationsdiät gibt es drei unterschiedliche Verfahrensweisen: selbst zubereitetes Diätfutter, eine Diät auf der Basis einer einzigen Eiweißquelle oder eine Nahrung, die ausschließlich hydrolysierte Proteine enthält.

Selbst zubereitete Eliminationsdiät

Ein selbstgemachtes Diätfutter besteht aus einer einzigen Kohlenhydratquelle in Kombination mit einer Proteinquelle, mit der das Tier vorher nicht in Kontakt gekommen ist. Als Kohlenhydratquellen dienen in diesem Fall üblicherweise Reis oder Kartoffeln. Die Proteinquelle kann beispielsweise aus folgenden Fleischsorten ausgewählt werden: Strauß, Kaninchen oder Pferd. Ein Nachteil dieser Diät liegt darin, dass sie meist ziemlich einseitig ausfällt. Bei selbst zubereitetem Futter können schnell einmal Engpässe oder auch Überschüsse bestimmter Nährstoffe entstehen. So sind Probleme wie stumpfes Fell, Hunger, Durchfall, Hautschuppungen und Gewichtsverlust keine Seltenheit. Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass ein selbst hergestelltes Futter sehr zeitintensiv ist. In einigen Fällen gestaltet es sich zudem schwierig, Fleisch eines solchen Nicht-Standard-Tieres zu bekommen.

Kommerzielle Nahrung auf der Basis einer einzigen Proteinquelle

Die zweite Möglichkeit besteht darin, ein fertiges Diätfutter zu verwenden, das nur eine einzige Quelle für Proteine enthält. Auch hier wird davon Gebrauch gemacht, eine Proteinquelle zu verwenden, mit der das Tier bisher nicht in Kontakt gekommen ist. Diese speziellen Diätfertigfutter sorgen dafür, dass alle notwendigen Nährstoffe enthalten sind. Ein Beispiel für diese Diätfutter ist die Sanimed Clinical Choice - Pure Duck Wurst.

Kommerzielle Diätfutter mit hydrolysierten Proteinen

Eine weitere Option besteht darin, das Tier auf eine Diät mit hydrolysierten Eiweißen zu setzen. Hydrolysierte Proteine sind bereits so weit zerkleinert, dass der Körper darauf nicht mehr allergisch reagiert. Beispiele für Diätfutter mit hydrolysierten Proteinen sind Royal Canin Hypoallergenic und Hill's z/d.

Ein hypoallergenes Futter muss über einen Zeitraum von sechs bis neun Wochen verabreicht werden. In dieser Zeit darf das Tier nur die Ausschlussdiät fressen. Die Diagnose Futtermittelallergie ist sehr wahrscheinlich, wenn sich die Symptome während dieser Zeit verbessern oder ganz abklingen. Eine endgültige Beurteilung kann aber erst stattfinden, nachdem ein sogenannter Provokationstest durchgeführt wurde. Deshalb empfiehlt es sich, nach der Beendigung der Eliminationsdiät das ursprüngliche Futter erneut für etwa zwei Wochen zu geben. Zeigt Ihr Hund oder Ihre Katze nach diesem Belastungstest wieder vermehrt Beschwerden, ist die Diagnose eindeutig. In diesem Fall muss Ihr Tier sein ganzes Leben lang hypoallergene Nahrung fressen, damit es beschwerdefrei bleibt.

Bitten beachten Sie

Der Hund oder die Katze darf währen des Zeitraumes, in der die Eliminationsdiät durchgeführt wird, nichts als die hypoallergene Nahrung zu sich nehmen: Keine Snacks, keine Kekse, kein Stück Brot oder Wurst - nicht einmal einen Behälter oder eine Verpackung ablecken! Selbst kleinste Mengen an Allergenen in diesen Lebensmitteln können eine allergische Reaktion hervorrufen und Sie müssen wieder bei null anfangen. Achten Sie unbedingt auf Medikamente mit Geschmack. Entwurmungstabletten mit Rindfleischgeschmack können auch Reaktionen hervorrufen. Insofern zu Beginn der hypoallergenen Diät Medikamente wie Kortikosteroide oder Antibiotika zum Einsatz kommen, müssen Sie etwa zwei Wochen mit der Diät warten, um deren Wirkung richtig einschätzen zu können.

Haben Sie eine Frage an unseren Tierarzt zum Thema Nahrungsmittelallergie oder Nahrungsmittelunverträglichkeit im Allgemeinen bei Hunden und Katzen? Dann kontaktieren Sie doch einfach unseren Tierarzt telefonisch unter der 06922 222 95 73 oder schreiben Sie eine E-Mail an tierarzt@medpets.de.

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