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Hilfe, mein Hund zieht an der Leine

Hilfe, mein Hund zieht an der Leine

Zu den häufigsten Formen unerwünschten Verhaltens, mit denen Hundebesitzer zu kämpfen haben, gehört das Ziehen an der Leine. Oft hat der Hund diese Unart bereits in jungen Jahren gelernt. Bei Welpen wird das Ziehen an der Leine noch nicht als besonders störend empfunden. Wird der Hund aber dann älter - und größer - wird das Leineziehen zunehmend lästiger und ärgerlicher. Allerdings ist das Verhalten oft lange zur Gewohnheit geworden. In diesem Artikel besprechen wir, warum ein Hund zieht und was man dagegen tun kann.

Warum zieht Ihr Hund überhaupt?

Ein Hund, der an der Leine zieht, ist deshalb nicht unbedingt als ‘dominant‘ einzustufen. Diese Überzeugung haben aber einige Hundebesitzern durchaus. Prinzipiell kann ein Hund unterschiedliche Motivationen haben, durch die ein Ziehen an der Leine entsteht. In der Regel geht es darum, etwas Interessantes zu erreichen, was der Hund außerhalb der Reichweite der Leine sieht oder riecht. Deshalb ist er bestrebt, dorthin zu laufen. Diese Motivation ist bei Welpen schon deutlich erkennbar. Junge Hund sind von Natur aus sehr neugierig und möchten überall schnuppern. In diesen Situationen gelingt es dem Hund häufig, durch ein Ziehen an der Leine genau an die Stelle außerhalb der Reichweite der Leine zu gelangen, um schnuppern zu können. Wenn Sie das als Besitzer zulassen, erkennt das Tier, dass das Leineziehen den beabsichtigten Zweck bestens erfüllt. Da dieses Verhalten selbstbelohnend ist, wird es schnell vom Hund erlernt.

Darüber hinaus liegt die normale Schrittgeschwindigkeit von (größeren) Hunden deutlich über der unsrigen Durchschnittsgeschwindigkeit beim Spaziergang. Setzt der Hund also seine reguläre Laufgeschwindigkeit fort, wird das bereits in kürzester Zeit zu Spannungen an der Leine führen. Wegen ihres jugendlichen, ungestümen Wesens und des hohen Energielevels haben junge Hunde oft Mühe, sich auf den Besitzer zu konzentrieren. Sie neigen daher generell dazu, an der Leine zu ziehen. Oft wird das Leineziehen im Laufe der Zeit daher zur Gewohnheit. Er zieht also, weil er es schlichtweg nie anders gelernt hat.

Wie können Sie das Ziehen wieder abtrainieren?

Das lästige Leineziehen wieder abzutrainieren, erfordert viel Geduld und Konsequenz. Im Grunde genommen ist das keine besonders schwierige Aufgabe, aber das Verhalten ist oft recht hartnäckig und verlangt ein langwieriges Training. Die Gefahr bei diesem Training besteht vor allen Dingen darin, dass viele Besitzer nicht konsequent genug sind und das Ziehen ab und zu tolerieren. Wenn Sie mit dem Training beginnen, bedeutet das, dass Ihr Hund ab sofort nie mehr an der Leine ziehen darf. Auch nicht, wenn Sie es einmal besonders eilig haben oder Sie nur einen kurzen Spaziergang unternehmen. Sind Sie nicht konsequent genug, ist für den Hund völlig unklar, wann er an der Leine ziehen darf und wann nicht. Deshalb wird es in diesem Fall noch schwieriger für den Hund, das unerwünschte Verhalten zu verlernen.

Letztendlich muss der Hund lernen, spazieren zu gehen, ohne an der Leine zu ziehen. Das Leineziehen muss jetzt einen entgegengesetzten Effekt haben, statt selbstbelohnend zu wirken. Bitte beachten Sie: Das Laufen an der entspannten Leine ist nicht dasselbe, wie kontinuierlich bei Fuß zu laufen. "Fuß" ist nämlich als Kommando zu verstehen, bei dem der Hund strikt neben dem linken Bein des Besitzers läuft. Das verlangt sehr viel Konzentration von Ihrem Hund. Bei einem Spaziergang von beispielsweise 30 Minuten ist es für den Hund aus diesem Grund konzentrationstechnisch nicht möglich, dem Befehl "Fuß" auch wirklich die ganze Zeit über Folge zu leisten.

Ein häufiger Fehler

Viele Hundebesitzer versuchen, Ihrem Hund das Leineziehen abzugewöhnen, indem sie mit einem kurzen, kräftigen Ruck gegensteuern. Das kann vielleicht kurzfristig funktionieren, ist aber nicht der richtige Weg, um das Leinziehen abzutrainieren. Die Belohnung für das Ziehen wiegt häufig schwerer als die Korrektur, die der Hundehalter durchführt. Außerdem ist dem Hund nicht ganz klar, was genau korrigiert wird. Einige Hunde meinen möglicherweise, dass sie korrigiert werden, weil sie in eine bestimmte Richtung gelaufen sind. Sie können dann aber keinen Zusammenhang erkennen, weil der Besitzer nach der Korrektur ja weiterhin mit ihm zusammen in die gleiche Richtung weiterläuft. Da das Rucken an der Leine für den Hund sehr unangenehm ist, trägt es nicht gerade zu einer guten Beziehung zwischen Hund und Hundehalter bei. Das Rucken an der Leine kann im ungünstigsten Fall auch zu Schäden im Halsbereich des Hundes führen.

Die Rollleine (auch Flexileine genannt) ist weit verbreitet, um dem Hund während des Spaziergangs mehr Freiheit einzuräumen. Diese Leinenart kann das Leineziehen aber noch verstärken. Da die Länge der Flexileine veränderbar ist, entwickelt der Hund kein Gefühl dafür, welcher Radius ihm zur Verfügung steht und wo die Grenzen sind. Einmal ist die Leine kurz, dann wieder lang. Sie können es dem Hund verständlicher machen, indem Sie ihm kurze Kommandos für die kurze Leine (‘bleib‘) und die lange Leine (‘frei‘) geben. So ist dem Hund klarer, was Sie von ihm möchten. Wenn Sie Ihren Hund jedoch trainieren möchten, nicht mehr an der Leine zu ziehen, empfehlen wir, eine Leine zu verwenden, die nicht in der Länge verstellbar ist.

Trainingsmethoden

Im Folgenden werden eine Reihe von Trainingsmethoden vorgestellt, die geeignet sind, unerwünschtes Leineziehen abzutrainieren. Diese Methoden funktionieren aber nur dann, wenn sie über einen längeren Zeitraum angewendet werden. Von entscheidender Bedeutung ist außerdem, dass Sie selbst immer sehr selbstdiszipliniert und konsequent sind und es auch während des gesamten Verlaufs des Trainings bleiben.

Ziehen = Anhalten
Diese Methode basiert darauf, dass Sie anhalten, sobald Spannung auf der Leine ist. Zieht der Hund, bleiben Sie einfach stehen, ohne irgendetwas zu sagen oder den Hund auch nur zu beachten. Diese Variante wird auch ‘Be a Tree‘ - also sei ein Baum - genannt. Auf diese Weise kann der Hund sein anvisiertes Ziel nicht erreichen und ist gezwungen, seine Aufmerksamkeit auf Sie zu lenken. Der Zug an der Leine wird also sinnlos für den Hund. Sie warten jetzt so lange, bis der Hund auf Sie achtet (beispielsweise bis er Sie ansieht) und er von selbst die Spannung an der Leine löst. Die meisten Hunde werden mit der Zeit einen Schritt rückwärts machen. In diesem Moment können Sie Ihren Hund durch Ihre Stimme oder einen Snack belohnen und den Spaziergang fortsetzen. Jedes Mal, wenn es wieder Spannung auf der Leine gibt, halten Sie augenblicklich an. Anstatt zu warten, bis der Hund einen Schritt rückwärts macht, können Sie ihm auch ein Signal geben, zu Ihnen zu kommen, wie beispielsweise mit dem Befehl ‘hier‘, falls Ihr Hund dieses Kommando kennt. Hat er das Kommando ordentlich ausgeführt, können Sie weitergehen. Vergessen Sie bitte nicht, den Hund auch dann zu belohnen, wenn er Ihnen von sich aus Aufmerksamkeit schenkt oder artig neben Ihnen herläuft, ohne zu ziehen.

Dieses Training ist zeitaufwendig und bedeutet in der Praxis, dass Sie gut und gerne 30 Mal bei einem kurzen Spaziergang anhalten müssen. Das gestaltet die erste Trainingsperiode normalerweise sehr anstrengend und der Spaziergang macht auch nicht so viel Spaß. Deshalb neigen viele Hundebesitzer dazu, schnell die Flinte ins Korn zu werfen. Bleiben Sie aber konsequent, werden Sie nach einiger Zeit und Mühe feststellen, dass erste Resultate erkennbar sind.

Wenn Sie bereits etwas beim Training vorangekommen sind, können Sie zusätzliche Aufmerksamkeit fordern, indem Sie das Tempo beim Spaziergang variieren oder gelegentlich plötzlich eine andere Richtung einschlagen. Das kann beispielsweise ein Wechsel von einem langsamen Gang zu einer schnelleren Schrittgeschwindigkeit sein oder auch eine kleine Drehung nach rechts oder links. Durch dieses Verhalten muss sich der Hund mehr auf Sie konzentrieren, um sich jederzeit anpassen zu können.

Ziehen = Umdrehen
Eine andere Variante von ‘Ziehen = Anhalten‘ ist das ‘Ziehen = Umdrehen‘. Mit dieser Richtungsänderung sorgen Sie dafür, dass Sie wieder die Führung anstelle des Hundes übernehmen. Sobald Spannung auf der Leine ist, drehen Sie sich um 180 Grad und laufen in die entgegengesetzte Richtung. Läuft der Hund ohne Spannung an der Leine mit Ihnen zusammen weiter, können Sie ihn belohnen. Auch auf diese Weise lernt der Hund, dass es kontraproduktiv ist zu ziehen. Denn sein Verhalten bringt ihn nicht dahin, wohin er gerade will.

Klickertraining
Ein Klicker ist ein praktisches Hilfsmittel, um Ihren Hund zu belohnen. Sie können den Klicker beispielsweise bei oben genannten Trainingsmethoden einsetzen. Es ist allerdings notwendig, Ihren Hund zunächst gut an den Klicker zu gewöhnen. Der Hund muss erst lernen, dass der Klicker ein Kommandogerät für eine feine Belohnung ist. Sie erzeugen mithilfe des Klickers ein bestimmtes Geräusch, auf das ein Leckerli folgt. Begreift der Hund, dass das Klick-Geräusch eine Leckerei ankündigt, können Sie den Klicker einsetzen, um ihn zu belohnen. Der Vorteil des Klickers ist, dass Sie den Moment der Belohnung sehr genau timen können. Wenn Sie beispielsweise erst eine Belohnung aus Ihrer Tasche holen müssen, sind Sie oft schon zu spät dran und belohnen möglicherweise bereits ein ganz anderes Verhalten.

Das Training von Welpen
Welpen sind nicht dazu in der Lage, gleich von Anfang an ordentlich an der Leine zu laufen. Das liegt daran, dass das Laufen an einer Leine etwas völlig Neues für den jungen Hund ist und er sich außerdem noch nicht vollständig auf seinen Halter fokussieren kann. Sie können bereits mit dem Training beginnen, wenn der Hund noch recht jung ist. Läuft der Welpe (zufällig) neben Ihnen her, belohnen Sie ihn. Nach einiger Zeit wird der Welpe in der Lage sein, eine Verbindung zwischen dem artigen Gehen und der Belohnung herzustellen. Außerdem können Sie den Welpen mit einem Leckerbissen in Ihrer Hand locken, brav neben Ihnen herzugehen. Sie können das dann auch später mit einem Befehl (wie beispielsweise ‘Fuß‘) verbinden. Bei jungen Welpen macht es noch keinen Sinn, dieses Kommando für eine Handlung zu geben. Auf der Straße ist wahrscheinlich zu viel Ablenkung. Die Chance, dass der Welpe den Befehl nicht befolgt ist daher groß. Geben Sie deshalb das Kommando einfach, wenn der Hund ordentlich neben Ihnen herläuft. Wird der Hund älter, kann der Befehl natürlich eingesetzt werden, um eine Handlung des Hundes abzufragen.

Wenn der Welpe etwas entdeckt und an der Leine zieht, weil er gerne dorthin möchte, ist es das Beste, zu versuchen, die Aufmerksamkeit des Welpen auf Sie selbst zu lenken. Das ist am einfachsten möglich, indem Sie ihm etwas Leckeres anbieten, einen lustigen Ton von sich geben oder einfach in die Hocke gehen. Sobald sich Ihr Welpe in Ihre Richtung wendet, wird er belohnt und Sie laufen gemeinsam ein Stückchen weiter. Auf diese Weise lernt der Welpe langsam aber sicher, dass das Ziehen an der Leine nichts bringt und dass die Aufmerksamkeit auf den Besitzer belohnt wird.

Hilfsmittel
Um dem Leineziehen entgegenzuwirken, wurden eine ganze Reihe an Hilfsmitteln entwickelt. Ein Beispiel dafür ist der Gentle Leader. Das Band läuft über die Schnauze des Hundes, wodurch der Kopf beim Ziehen zur Seite gelenkt wird. Dadurch ist der Hund weniger geneigt, an der Leine zu ziehen. Einige Hunde empfinden das Band als lästig, deshalb ist es angebracht, den Hund langsam an das Tragen zu gewöhnen. Außerdem gibt es auch das Halti Hundegeschirr. Mit diesem speziellen Geschirr kann der Hund besser gelenkt werden, weil die Leine im Brustbereich des Hundes befestigt wird und nicht am Halsband. Dadurch wird der Hund aus der Balance gebracht, was ein Ziehen in eine bestimmte Richtung weniger wahrscheinlich macht.

Die oben genannten Mittel können effektiv zur Reduzierung des Leineziehens eingesetzt werden. Der Hund lernt dadurch aber nicht, spazieren zu gehen, ohne zu ziehen. Einige Hunde gewöhnen sich auch rasch an die Hilfsmittel und ziehen nach wie vor an der Leine. Deutlich wirkungsvoller ist es, den Spaziergang ohne Zug an der Leine zu trainieren.

Es heißt manchmal, dass der Einsatz von Würgeketten oder Stachelhalsbändern den Hund daran hindern, zu ziehen. Von deren Verwendung raten wir jedoch dringend ab. Diese eignen sich nicht, um dem Hund das Leineziehen abzutrainieren! Denn mit einem Stachelhalsband oder einer Würgekette wird der Hund nicht lernen, an der Leine zu laufen, ohne daran zu ziehen. Zum Wohl des Hundes sollten Sie auf solche Hilfsmittel unbedingt verzichten, denn sie verursachen Beschwerden und Schmerzen bei Ihrem Vierbeiner und wirken kontraproduktiv.

Hinweis: Wir haben in diesem Artikel nur einige der möglichen Trainingsmethoden beschrieben und lediglich die am häufigsten angewendeten, konventionellen Verfahren für eine nähere Erläuterung ausgewählt.

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